Schwerhörigkeit

„Nicht zu sehen trennt uns von den Dingen, nicht zu hören trennt uns von den Menschen.“ (Immanuel Kant)

Unser Hörsinn ist von allen fünf Sinnen der differenzierteste. Er ist sensibler und leistungsfähiger als unser Auge. Das Ohr kann einen Tonumfang von bis zu zehn Oktaven unterscheiden. Es reagiert auf Schallwellen im Frequenzbereich zwischen 16 und 20.000 Herz. Wir können bis zu 400.000 Töne unterscheiden, und wir können auch die Richtung orten, aus der sie kommen.

Als Schwerhörigkeit (Hypakusis) bezeichnet man eine Einschränkung des Hörvermögens. Sie kann von der geringfügigen Beeinträchtigung bis zum vollständigem Hörverlustreichen, sie kann vorübergehend oder dauerhaft sein. Etwa 300 Millionen Menschen sind weltweit davon betroffen. In Deutschland ist es insgesamt jeder fünfzehnte, ab dem 65. Lebensjahr jedoch jeder zweite Mann und jede dritte Frau.

Schwerhörigkeit

Verlauf
Bei einer beginnenden Schwerhörigkeit sind anfangs nur einzelne Frequenzen meist im Hochtonbereich betroffen. Dieser Verlust wird von den Betroffenen im Alltag meist gar nicht wahrgenommen. Je weiter er jedoch fortschreitet, desto mehr Frequenzen sind betroffen. Besteht diese Schwerhörigkeit über längere Zeit hinweg, kommt es zu einer Degeneration der Hörbahn. Der Schaden ist dann nicht nur auf die Sinneszellen in der Hörschnecke begrenzt, sondern betrifft auch die damit verbundenen Nervenzellen der Hörbahn und der Hörrinde im Gehirn. Im Prinzip ein ähnliches Phänomen wie bei einem im Gipsverband ruhiggestellten Arm: schon nach wenigen Wochen kommt es zu einem Muskelabbau.

Diese Hörbahn-Degeneration erklärt auch, warum Menschen mit beginnender Schwerhörigkeit einem Einzelgespräch oft noch gut folgen können, sich aber in größeren Gesellschaften oder bei lauter Hintergrundkulisse, etwa in einem Restaurant, nur mehr eingeschränkt an der Konversation beteiligen können.

An der Degeneration der Hörbahn liegt es auch, dass ältere Menschen, die erst sehr spät mit einem Hörgerät versorgt worden sind, damit nicht mehr gut zurechtkommen. Sie hören zwar alles lauter, doch die Sprachverständlichkeit wird durch das Hörgerät nicht mehr verbessert.

 

Schwerhörigkeit bei Jugendlichen
Die Zahl der dauerhaft schwerhörigen Jugendlichen steigt seit einigen Jahren stetig an. Der Grund ist das häufige und laute Musikhören über Kopfhörer, in Diskotheken oder auf Live-Konzerten. Dabei werden 100 Dezibel und mehr erreicht – das entspricht etwa einem Presslufthammer in wenigen Metern Entfernung. Nach anderthalb Stunden Musikhören ist die zulässige wöchentliche Schallbelastung bereits erreicht. Wenn dann aber, anstelle einer Ruhepause, noch ein Clubbesuch mit hundertzehn Dezibel hinzukommt, wird die Grenze des Zumutbaren weit überschritten.

Vorübergehendes Ertauben, dumpfes Hören oder Pfeifen in den Ohren sind deutliche Warnsignale. Zwar scheint das Gehör nach einigen Stunden wieder normal zu funktionieren, doch ein geringer Schaden bleibt und summiert sich mit jedem weiteren Lärm-Ereignis.

Fazit

Schwerhörigkeit sollte so früh wie möglich diagnostiziert werden, um so früh wie möglich eine geeigneten Therapie einzuleiten. Dadurch können wir der Degneration der Hörbahn zuvorkommen und ein möglichst breites Hörspektrum erhalten. Schwerhörigkeiten, die auf Ursachen im äußeren Ohr und dem Mittelohr zurückzuführen sind, können häufig durch operative Maßnahmen verbessert werden.

Die Ursachen einer Schwerhörigkeit können alle Teile des Ohres betreffen, vom äußeren Ohr, dem Gehörgang, Mittelohr, Innenohr bis zur zentralen Hörbahn. Eine gewissenhafte Diagnostik bildet die Grundvoraussetzung, um die unterschiedlichen Ursachen einer Schwerhörigkeit differenzieren zu können.
Unsere Praxis verfügt über alle üblichen modernen Testverfahren wie Ton-Audiometrie, Sprach-Audiometrie, Tympanometrie und Hirnstamm-Audiometrie (Bera). Die sorgfältige Diagnostik gewährleistet die bestmögliche Therapie, die nicht nur auf die Verordnung von Hörgeräten begrenzt ist.